Protein-Hype: Brauchen wir wirklich Eiweissriegel oder doch mehr Know-how?
Warum unser Körper Protein braucht
Proteine übernehmen im Körper essenzielle Aufgaben. Sie liefern lebenswichtige Aminosäuren, sind am Aufbau und Erhalt von Muskel- und Körpergewebe beteiligt und spielen eine zentrale Rolle für Sättigung und Leistungsfähigkeit. Laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen liegt die empfohlene Proteinzufuhr für gesunde Erwachsene unter 65 Jahren in der Schweiz bei 0,83 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Das entspricht etwa 58 Gramm Protein für einen 70 Kilogramm schweren Mann und rund 47 Gramm für eine 57 Kilogramm schwere Frau.
Wer regelmässig Sport treibt, insbesondere Kraft- oder Ausdauertraining, hat einen höheren Bedarf. Je nach Intensität werden für Sportlerinnen und Sportler zwischen 1,0 und 2,0 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen. Für einen 70 Kilogramm schweren Athleten können das also bis zu 140 Gramm Protein täglich sein.
Kein Wunder also, dass proteinangereicherte Produkte boomen. Zahlreiche Eiweissriegel liefern zwischen 15 und 30 Gramm Protein pro Portion, das ist vergleichbar mit einer Mahlzeit aus mehreren Eiern. Gerade in stressigen Alltagssituationen wirken sie praktisch, unkompliziert und „gesund“. Zudem kann eine proteinreiche Ernährung beim Abnehmen unterstützen, da sie länger sättigt und hilft, Muskelmasse trotz Kaloriendefizit zu erhalten.
Hochverarbeitet statt nährstoffreich?
Doch genau hier lohnt sich ein kritischer Blick. Viele Eiweissriegel und Proteindesserts sind stark verarbeitet und enthalten Süssstoffe, Aromen und diverse Zusatzstoffe. Im Vergleich dazu liefern natürliche Proteinquellen wie Eier, Hülsenfrüchte, Milchprodukte oder Nüsse nicht nur Eiweiss, sondern auch wertvolle Vitamine, Mineralstoffe und vor allem bei Hülsenfrüchten - Ballaststoffe. Diese sind entscheidend für eine gesunde Verdauung und fehlen in vielen Protein-Snacks fast vollständig. Deshalb sind Eiweissriegel eher als bessere Alternative zu herkömmlichen Süssigkeiten zu betrachten, da sie oft weniger Zucker und Energie enthalten, nicht jedoch als Ersatz für eine ausgewogene Ernährung.
Genau an diesem Punkt zeigt sich, wie wichtig fundiertes Ernährungswissen ist. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob Protein gut oder schlecht ist, sondern für wen, in welcher Menge und in welcher Form es sinnvoll eingesetzt wird. Menschen haben unterschiedliche Ziele, Körper, Trainingsumfänge und Lebensstile und genau dafür braucht es individuelle Lösungen statt pauschaler Empfehlungen.
Vom Protein-Hype zur beruflichen Perspektive
Der Protein-Hype macht deutlich, wie gross das Interesse an Ernährung, Fitness und Gesundheit ist. Gleichzeitig zeigt er, wie viel Unsicherheit und Halbwissen im Umlauf sind. Wer sich tiefer mit diesen Themen auseinandersetzt, merkt schnell: Ernährung ist komplex, spannend und unglaublich wirkungsvoll. Genau hier beginnt der Weg zum Ernährungscoach oder Ernährungstrainer. Menschen dabei zu helfen, Trends einzuordnen, Mythen zu entlarven und nachhaltige Ernährungsstrategien zu entwickeln, ist nicht nur sinnvoll, sondern auch erfüllend. Statt dem nächsten Riegel hinterherzulaufen, geht es darum, Wissen aufzubauen, Verantwortung zu übernehmen und andere auf ihrem Weg zu mehr Gesundheit zu begleiten.
Auszug aus der Literaturliste
Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (2021): Empfehlungen zu Proteinen. Zugriff am 13.03.206. Verfügbar unter: https://www.blv.admin.ch/dam/blv/de/dokumente/lebensmittel-und-ernaehrung/ernaehrung/ernaehrung/empfehlungen-proteinen
Bedarf an Nährstoffen